evangelische Stadtmission Trier

Stadtmission Trier – Mission für die Welt – Neukirchner Mission – Bericht aus Peru

Peru, Neukirchner Mission, Mission, Glaube,Wenn man nach Peru kommt, hat man heutzutage nicht mehr das Gefühl, in eine neue Kultur zu kommen. Auf den ersten Blick sieht z.B. in der Großstadt Lima alles gleich aus wie bei uns in Europa, abgesehen vom absoluten Chaos des Autoverkehrs. Der Luxus, der in den letzten Jahren in den Geschäften, den Autos auf der Straße, den Häusern etc. zu sehen ist, unterstreicht diesen Eindruck. In Lima gibt es dazu noch viele „Weiße“. Sogar in den kleinen Dörfern und Städten verändern sich das äußere Bild und die Kleidung der Menschen. Man kann leicht die Überzeugung gewinnen, dass es zwischen uns Europäern und ihnen kaum noch Unterschiede gäbe.

Anders hingegen ist es bei den Bergbewohnern und im Urwald. Die Kleidung und die Häuser sind sehr anders als in Europa. Hier sieht man auch Aberglaube (z.B. Sträucher oder Hufeisen als Glücksbringer). Weiter herrschen Animismus und eine Vermischung der Religionen (Katholizismus und Inka-Götter). Hier sehen auch die Menschen anders aus. Erst mit der Zeit kann man „alte Missionare“ verstehen, wenn man als „neuer Missionar“ selbst in kulturelle Konflikte gerät. Wie viel sollen erfahrene Missionare den neu Angekommenen im Land erzählen, ohne sie zu schocken oder selber erleben lassen? Als Neue hört man viel, kann es aber nicht wirklich verstehen Hierzulande gibt es ungeschriebene Gesetze für Christen: Ein Christ raucht nicht, tanzt nicht, trinkt nicht! Die Frage stellt sich: „Wie verhält man sich, wenn Gott einem Freiheiten gegeben hat, die anders und der eigenen Kultur entsprechend sind?“

Paulus sagte: „Den Griechen ein Grieche, den Juden ein Jude!“ Entscheidend ist, welches Ziel ich mit meinem Verhalten verfolge. Kann ich meinen Bruder oder meine Schwester damit zu Fall bringen, dann sollte ich ihnen zuliebe mich entsprechend verhalten, ohne mich dabei einengen zu lassen. Gott gebe uns immer wieder Weisheit, das Richtige zur rechten Zeit zu tun, um nicht zum Stein des Anstoßes für unseren Nächsten zu werden.

Da Peruaner in einer schamorientierten Kultur leben, können einen auch Christen ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht anlügen (auch wenn du es weißt, aber nicht beweisen kannst!). Sie können einen beklauen und es abstreiten, sich etwas ausleihen und nie wieder zurückgeben oder Selbstjustiz üben. Sie sind eher bereit, deine Freundschaft zu verlieren und dir deswegen aus dem Weg zu gehen.

Von Montag bis Samstag kann man ein Leben ohne Gott leben, Hauptsache man wird im Gottesdienst gesehen! Im Gottesdienst darf man die Füße auf die Bank legen, Chips knisternd essen, am laut klingelnden Handy lautstark antworten und Pläne schmieden, von den lautstarken Privatgesprächen ganz zu schweigen oder einfach ein Mittagsschläfchen halten, während der Pastor predigt!

Vielleicht sind Sie so empört wie ich über ein solches Verhalten. Aber was sollen wir tun? Uns als Missionaren wird vorgeworfen, wir würden Kulturen zerstören. Doch wir möchten
sie erhalten und ihnen nur Christus nahe bringen, der sie verändern wird – nicht wir. Es wird immer Dinge geben, die wir nie verstehen werden, weil wir aus einer anderen Kultur kommen. Möge Gott uns Weisheit, Kraft und Liebe schenken, unsere Mitmenschen in der anderen Kultur liebevoll anzunehmen und mit ihnen das Leben zu teilen, ohne uns über sie zu stellen oder sie schlecht zu reden.  In unseren so verschiedenen Kulturen sind wir alle von Gott abhängig, um zu lernen, nach seinen Maßstäben zu leben. Wir können aber auch kulturübergreifend voneinander lernen, da beide Kulturen Gutes und Nachahmenswertes aufzuweisen haben.

Missionsbote Februar 2013 – Neunkirchner Mission

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